Ausbildung zur Drogistin bei dm

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Ich bekomme sooo viele Nachrichten, über fragen zu meiner Ausbildung bei dm, deshalb dachte ich mir ich erzähle euch ein bisschen darüber.

Ich habe meine Ausbildung nicht auf dem klassischen Wege über eine Bewerbung bekommen, sondern über ein Praktikum.
Es war ein freiwilliges Praktikum, einige Wochen nachdem Gabriel in den Kindergarten kam. Mir ist zuhause die Decke auf den Kopf gefallen. Ich könnte zwar als Hausfrau und Mutter leben, aber nicht mit dem Wissen noch keine abgeschlossene Ausbildung zu haben. In der heutigen Zeit muss man einfach abgesichert sein und etwas gelernt haben um in der Zukunft “Überleben” zu können. Ein Leben von Harz 4? Kommt nicht in Frage.
Nach Gabriels Geburt habe ich Arbeitslosengeld 2 bezogen, aber es war schlimm. Klar, wir können dankbar sein, dass Deutschland “so viel” bezahlt. Da gibt es weitaus weniger bis nichts in anderen Ländern. Aber wenn man arbeiten KANN und WILL, dann findet man einen Job und soll auch gefälligst einen machen und nicht auf Kosten anderer leben. Zudem wollte ich ein Vorbild für mein Kind sein. Man geht mit selbstverdientem Geld nochmal anders um, als mit geschenktem Geld. Isso.

Habe also völlig spontan in meinem Stamm-dm angerufen und gefragt, ob ich ein Praktikum machen könnte. Habe noch dazu gesagt, dass ich ein Kind habe und vorzugsweise vormittags arbeiten könnte.
Das war gar kein Problem. Für die nächsten 6 Monate habe ich also von 9-15 Uhr gearbeitet. Ich war immer sehr interessiert und motiviert und somit habe ich schnell das Angebot bekommen, meine Ausbildung hier machen zu dürfen.

Das habe ich dann auch 🙂

Man bekommt ziemlich viele Ordner zu Beginn. Da wir bei dm die Kodak und Cewe Foto-Terminals haben, an denen man Bilder sofort drucken kann, gibt es einen reinen “Foto-Ordner”, den man bearbeiten muss mit allen möglichen Fragen und Aufgaben.
Unter anderem: wie entstehen Rote Augen, was bedeutet ISO und wie kommt eine Überbelichtung zustande. Das sind nur 3 fragen von vielen, damit man Kunden wirklich kompetent in Sachen Foto beraten kann.

Außerdem gibt es einen Ordner für das “Herbarium” inklusive einer Pflanzenpresse. Dort müssen wir entweder 20 oder 40 Heilpflanzen sammeln (weiß es gerade nicht mehr genau), trocknen, pressen und mit lateinischem und deutschen Namen benennen und die Wirkung dieser Drogen aufschreiben.
Das dient dem Arzneimittelschein, den wir in unserer Ausbildung integriert machen, da wir freiverkäufliche Arzneimittel verkaufen.
Im zweiten Lehrjahr kommt da noch die Drogensammlung hinzu, da müssen wir dann alle Drogen in einem Ordner sammeln und ebenfalls beschriften.
Im übrigen wird man nach der Ausbildung bei dm auch sehr gern durch den Sachkundenachweis in Apotheken gesehen und durch unser enormes Wissen in Sachen Kosmetik und Haut auch in Parfümerien und Co.

Zu guter letzt kommt der Ordner “Ausbildungsnachweis”. Der wichtigste Ordner, würde ich mal behaupten. Dort müssen wir Tagesberichte schreiben. 1 Woche pro Blatt, Montag – Samstag. Pro Tag müssen wir Strichpunktartig dokumentieren was wir gemacht haben.
Außerdem werden dort die Fachberichte gesammelt. Wir müssen pro Monat einen schreiben, also über 3 Jahre insgesamt 36 Berichte über alle möglichen Themen. Man kann sich die Themen selbst aussuchen, es gibt aber auch einige die sich anbieten durch den LERNPASS.

Dieser begleitet einen über die 3 Jahre. Es ist quasi wie ein Leitfaden durch die Ausbildung um sowohl für den Lernling (ja, es heißt Lernling und nicht Lehrling bei dm) als auch für den Ausbilder und am Ende für die IHK.

Eingeteilt wird er in Halbjahre. Pro Halbjahr gibt es gewisse Themen die abgearbeitet werden sollten. Die grauen Themen, können als Fachbericht geschrieben werden, müssen aber nicht. Am Ende müssen es halt 36 sinnvolle Themen sein. Es bietet sich an darüber zu schreiben, da man 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen hat 🙂
Die Grünen Felder sind die Warenkunde Berichte.

Es gibt zu jedem Bereich im Drogeriemarkt ein komplettes Warenkunde Thema in dem wir alles über das Thema lernen. Sei es Seife, Dusche, Gesicht, dekorative Kosmetik (Schminke), auch Waschmittel oder insektenschutz. Babypflege und Babynahrung, Tiernahrung und ja sogar über “Papier”, das sind Toilettenpapier und Küchenrollen. Wie wird es hergestellt, welche Inhaltsstoffe gibt es, wie berät man Kunden und was sind häufig gestellte Fragen. Die Warenkunde Themen sind zwischen 6 und 30 Seiten lang. Es muss gelernt werden und anschließend wird man vom Ausbilder abgefragt. Wenn man das Thema kann, wird es im Lernpass als erledigt unterschrieben. Somit wissen beide wie weit man ist, was noch gelernt werden muss und man kann es ggf besser planen.

Ich zum Beispiel hinke etwas hinter her jetzt, da ich mich erstmal auf die Schule konzentriert habe, nach meinem Wiedereinstieg. Das 3. Halbjahr ist quasi rum und ich habe noch ganze 8! Warenkunde Themen offen! Bedeutet also: ich muss mich ganz schön ranhalten, da die Klausuren in der Schule ja nicht weniger werden und ich aber noch arbeiten muss und Kinder zuhause habe. Aber mit der richtigen Organisation klappt alles.

Letztendlich muss es halt am Ende der Ausbildung alles gemacht sein, man muss die Themen können, da man in der Abschlussprüfung ein Thema zieht. Welches es ist, weiß man nicht. Es könnten alle dran kommen, daher ist es wichtig auch wirklich alle zu lernen. Nicht nur für den Ausbilder, sondern für sich selbst.

Ich persönlich habe die Lernmethode mit den Karteikarten am effektivsten für mich entdeckt. Ich lese die Warenkunde Berichte, markiere mir die wichtigsten Sachen, schreibe alles ordentlich auf Karteikarten auf und fange dann an zu lernen.
Da ich noch 1,5 Jahre bis zur Abschlussprüfung habe, sammel ich alle Themen in meinem Karteikasten und werde wenigstens alle 2 Tage einfach mal ein Thema zur Hand nehmen und durchlesen. Immer und immer wiederholen, damit es am Ende nicht ein Riesen Berg von Sachen zum lernen ist und ich völlig verzweifle 🙂

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Die LidA-Arbeitstage und Abenteuer Kultur

LidA = Lernen in der Arbeit. Das ist quasi das Motto. Wir müssen aktiv lernen und nicht einfach nur nachmachen und etwas gezeigt bekommen. Da wurde ich zwar manches mal auch einfach ins kalte Wasser geschmissen, aber so lernt man einfach am besten, weil man direkt seine Fehler erkennt und die dann nicht nochmal macht.
Die LidA-Arbeitstage sind mehr oder weniger ein Seminar. Man ist 3 Tage lang mit seiner Klasse in einem Hotel und lernt intensiv.
Geleitet wird es von der Frau die bei dm zuständig ist für die Aus- und Weiterbildung. Außerdem sind 2 Filialleiter dabei.
Im ersten Lehrjahr haben wir dort, relativ am Anfang, alles über die Ordner gelernt. Wir haben die ersten Fragen im Foto Ordner bearbeitet und sind auch alle gemeinsam rausgegangen und haben unsere ersten Heilpflanzen gesammelt.
Der Anfang ist ja noch einfach mit Lavendel und Co. 🙂

Bei den zweiten LidA-Arbeitstagen geht es um Nachhaltigkeit und die Ressorts bei dm. Wer ist für was zuständig, was wird wo gemacht und man lernt wie sehr eigentlich Hand in Hand gearbeitet wird. Da steckt so viel mehr hinter, als einfach nur: Ware bekommen, Ware verräumen, Ware verkaufen.
Es war wirklich interessant hinter die Kulissen der einzelnen Ressorts zu schauen.

Die LidA Arbeitstage 3 habe ich noch nicht gemacht, werde diesen Teil aber nachtragen sobald wir das gemacht haben 🙂

Bei Abenteuer Kultur wird Theater gespielt.
Es schweißt die Klasse zusammen und gibt ein unwahrscheinliches Selbstvertrauen. Das hätte ich nie für möglich gehalten. Gemeinsam mit 2 Künstlern trifft man sich 8 Wochen lang und erstellt ein Theater Stück. Am Ende der 8 Wochen gibt es eine Aufführung vor den Eltern und den Ausbildern 🙂
Darauf hatte ich zugegebenermaßen am wenigsten Lust, ich muss nicht unbedingt auf einer Bühne stehen, obwohl ich nicht gerade schüchtern und zurückhaltend bin. Wenn da plötzlich Publikum ist werde ich trotzdem nervös. Aber ich muss sagen, es war eine super tolle Erfahrung. Es hat wahnsinnig Spaß gemacht und wie gesagt, es hat die Klasse zusammengeschweißt.

Abenteuer Kultur macht man einmal im 1. Lehrjahr und nochmal im 2. Lehrjahr. Im dritten gibt’s das nicht mehr, aber da kommt schließlich noch genug auf uns zu 🙂

Außerdem gibt es im 2. Lehrjahr einen dreiwöchigen Filialtausch. Man tauscht mit einem aus seiner Klasse oder eventuell Parallelklasse seine Filiale. Dient dazu, einfach mal zu sehen wie in anderen Filialen gearbeitet wird. Überall werden gewisse Dinge anders gehandhabt, das ist von Filiale zu Filiale unterschiedlich.

Und zu guter letzt gibt es noch die Lernlingsfiliale. 3 Wochen lang arbeiten in einer Filiale ausschließlich Lernlinge. Es wird eine Filialleitung und eine Stellvertretung gewählt und dann wird von A bis Z alles selbst gemacht.
Sobald ich das hinter mir habe, werde ich dazu noch mehr schreiben. Das findet aber erst im 3. Lehrjahr statt.

Ich hoffe ich konnte einen kleinen Einblick in die Ausbildung bei dm gewähren.
Mir macht die Ausbildung wahnsinnig Spaß und ich bin so froh, wenn ich DAS alles geschafft habe. Das ist nämlich nicht ohne 🙂
Dafür kann man sich am Ende aber auf die eigene Schulter klopfen, was man da erreicht hat!

Hier habe ich euch mal die Seiten des Lernpasses ausgedruckt und fotografiert, um mal zu sehen, was alles gemacht werden muss.

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4 Comments
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    Martina Wellmann
    Januar 31, 2016

    Krass wie sich das von Bundesland zu Bundesland unterscheidet ? Lernpass ist derselbe,klar, aber ich muss insgesamt 48 Fachberichte schreiben, wir haben immer nur einen Lida Tag und Filialtausch sind bei uns 8 Wochen ? dafür haben wir diese Drogensammlung nicht, von der du im zweiten Lehrjahr geschrieben hast

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    Nastja Mainhardt
    Februar 1, 2016

    Bei uns ist es auch etwas anders. Bin in einer Filiale im märkischen Kreis. Wir haben auch keinen Drogenordner, bzw. Nur den aus der Schule (3. Lehrjahr). Wir haben noch AP (Abenteuer Praxis) treffen, neun mal im Lehrjahr und unser Filialtausch geht fast ein Jahr lang, also von September bis zum Ende der Ausbildung. Viel Erfolg weiterhin 🙂

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    Nastja Mainhardt
    Februar 1, 2016

    Bei uns ist es auch etwas anders. Bin in einer Filiale im märkischen Kreis. Wir haben auch keinen Drogenordner, bzw. Nur den aus der Schule (3. Lehrjahr). Wir haben noch AP (Abenteuer Praxis) treffen, neun mal im Lehrjahr und unser Filialtausch geht fast ein Jahr lang, also von September bis zum Ende der Ausbildung. Viel Erfolg weiterhin 🙂

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    Tatjana Bobyleva
    März 11, 2016

    Hei ich finde diese Informationen sehr sehr sehr hilfreich.
    Ich habe mein 2 wöchiges Praktikum auch bei dm gemacht und bin sehr stolz drauf es hat mir sehr viel spass gemacht ich hab viele neue sachen dazu gelernt
    Meine frage ist es hast du schon für dm eine Praktikums mappe da ich jetzt eine anfertigen muss und jemanden brauch der eine hat ect.